Patrimoniu Cătărat

KULTURERBE IN DER HÖHE Restauriertes Kulturerbe · Neu interpretiertes Kulturerbe · Repliziertes Kulturerbe

Kulturerbe in der Höhe ist ein wanderndes Ausstellungsprogramm, das sich den steinernen Fundstücken aus den archäologischen Untersuchungen an der Evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt widmet. Steinfragmente, die in Fußböden, im Untergrund und im historischen Baugefüge des Kirchenensembles entdeckt wurden, bilden den Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung damit, wie Kulturerbe wahrgenommen, weitergegeben und verändert wird. Trotz seiner identitätsstiftenden Bedeutung lässt sich das, was wir „Kulturerbe“ nennen, von keiner einzelnen Generation vollständig erfassen. Jede Epoche erschließt sich die Vergangenheit mit den ihr verfügbaren Werkzeugen, Informationen und Fragestellungen. Wir können das Gewesene nicht vollständig wiederherstellen; wir können benennen, was wir wissen, was wir belegen können und was wir uns vorzustellen entscheiden. Die Ausstellung bewegt sich zwischen Gewissheit und Hypothese. Ihre drei Stationen erkunden unterschiedliche Stufen dieses Wissens.

Restauriertes Kulturerbe beginnt mit dem, was sich dokumentieren lässt. Auf dem Huetplatz übersetzt eine von der Logik einer archäologischen Grabung inspirierte Installation die Forschungsergebnisse in eine räumliche Form. Die Höhenlage, in der die Fragmente entdeckt wurden, bestimmt das Niveau einer Treppe. Diese macht die unsichtbare Topografie der Grabung und den Umfang unseres gegenwärtigen Wissens sichtbar.

Neu interpretiertes Kulturerbe geht über das Belegbare hinaus. In der Ferula, der Westhalle der Evangelischen Stadtpfarrkirche, werden die Fragmente zu Anhaltspunkten für mögliche Formen und Geschichten. Ein künstlerischer Zugang eröffnet Raum für Vorstellungskraft, Mehrdeutigkeit und Beteiligung und macht das, was wir nicht wissen, zu einem Teil der Erfahrung.

Repliziertes Kulturerbe untersucht Möglichkeiten, das Entdeckte weiterzugeben. Bei m28form stellen Abgüsse, Repliken und Neuinterpretationen die Beziehungen zwischen Original und Kopie, Authentizität und Reproduktion sowie Objekt und Information zur Diskussion.

Ein Live-Videonetzwerk verbindet diese Kapitel über den Huetplatz, die Evangelische Stadtpfarrkirche, das Brukenthal-Nationalmuseum und m28form hinweg. Statt das Objekt zu virtualisieren, machen wir die Prozesse sichtbar, die sich gleichzeitig an den anderen Orten vollziehen. Besucherinnen und Besucher können von einem Raum aus in die anderen blicken und Aktionen, Workshops und Interpretationen verfolgen, die außerhalb ihres tatsächlichen Weges liegen. Das Netzwerk durchbricht die Grenzen zwischen den Räumen, die Anspruch auf das Kulturerbe erheben.